Affinity Publisher – mein erster Eindruck

Seit dem letzten Sommer habe ich für ein konkretes Projekt sehr intensiv mit dem Affinity Publisher gearbeitet, über den ich schon in der Vergangenheit mehrfach geschrieben hatte. Die App für Desktop-Publishing am Mac war über Jahre angekündigt und in der Beta-Phase, ehe sie dann im Sommer 2019 veröffentlicht wurde.

DTP-Programme haben eine lange Tradition, mit der ich selbst bereits seit Mitte der 90er Jahre verbunden bin. Damals war das Programm der Wahl Quark XPress – es war kompliziert zu bedienen und kostete ein Vermögen (und ist auch heute nicht günstiger zu haben). Ab 2002 gab es mit Adobe InDesign 2.0 erstmals einen modernen, aufgeräumten Konkurrenten. Mit InDesign habe ich jahrelang gerne gearbeitet – irgendwann war meine alte CS-Version jedoch obsolet. Vorübergehend habe ich dann ein „Downgrade“ vollzogen und einige Dinge mit Apple Pages gestaltet (weshalb es hier auf meinem Blog ein paar beliebte Beiträge zu dieser App gibt), später kleinere Projekt auch mit Affinity Designer, dem günstigen und ausgezeichneten Illustrator-Klon. Da ich auch Affinity Photo als Ersatz für Photoshop sehr gerne nutze, war ich natürlich unglaublich gespannt auf die DTP-App aus diesem Hause.

Da mir das Mietmodell von Adobe nicht besonders sympathisch ist – beispielsweise komme ich derzeit nicht an meine alten InDesign-Dateien heran, weil ich dazu diese App erst wieder mieten müsste – finde ich die Dreifaltigkeit von Affinity, die für jeweils rund € 50,- zu haben ist, eine wirklich tolle Alternative.

Zurück zum Publisher: Die Arbeit mit diesem Programm fiel mir als InDesign-Veteran leicht, die Funktionalität ist sehr ähnlich und es gab nur wenige Situationen, in denen ich die Hilfe-Dateien bemühen musste. Beispielsweise funktioniert das Bearbeiten von Elementen, die auf der Master-Seite angelegt sind, etwas anders als gedacht. Das Erstellen von Publikationen geht intuitiv und leicht von der Hand. Sehr schön finde ich die detaillierten Informationen in der Ressourcen-Übersicht und die Möglichkeit, Fotos und Grafiken gleich in den passenden Affinity-Apps zu bearbeiten (eine Funktionalität, die auch die Adobe-Suite bietet). Das Ausschiessen von Broschüren funktioniert super-einfach und die App bietet vielfältige Möglichkeiten, die Datei in anderen Formaten zu exportieren.

Dabei fiel mir allerdings auch in einem konkreten Zusammenhang auf, dass PDF-Dateien standardmässig mit „erweiterten Optionen“ gespeichert werden – auch solche, die nach dem PDF/X3-Standard exportiert werden. Diese Optionen (zu denen ich nichts näheres in Erfahrung bringen konnte) sorgen leider dafür, dass sich die PDFs nicht fehlerfrei in Corel öffnen lassen. Sollte die Druckerei also Corel einsetzen, um die Druckbogen-Montage vorzunehmen, muss die oben genannte Option ausgeschaltet werden.

Ein paar Kinderkrankheiten habe ich unterwegs noch gefunden, die bestimmt bald verbessert werden. So habe ich festgestellt, dass sich Änderungen an Elementen auf der Master-Seite manchmal nicht gleich auf den Seiten des Dokuments widerspiegeln.

Für mich ist Affinity Publisher ein vollwertiger Ersatz für andere DTP-Apps und ich werde die Software auch zukünftig im Produktiv-Alltag einsetzen. Wenn sie irgendwann vielleicht einen Import von .indd-Dateien ermöglicht, wäre es perfekt 😉 Bis dahin bleibt der Weg, InDesign vorübergehend als Trial-Version zu installieren und alte Dateien zumindest als PDF verfügbar zu machen.