Kinder – die Zukunft unseres Planeten

© Evgeny Makarov, Deutschland/Russland (Agentur Focus)

Grade erst wurden im Rahmen der Corona-Bekämpfung verlängerte Maßnahmen beschlossen, zu denen auch die weitere Schließung von Kitas und Schulen gehört. Ich habe noch gut im Ohr, was der bayrische Ministerpräsident Söder über die Schulen sagte: Sie müssten offen bleiben, damit die Eltern arbeiten gehen und die Wirtschaft läuft. Sieht so ein liebevoller und fürsorglicher Blick auf unsere Kinder aus? Man darf Zweifel haben. Es ist belegt, daß der Lockdown eine Steigerung der häuslichen Gewalt – auch gegen Kinder – um rund 50% zur Folge hatte. Nach Recherchen der ZEIT ist der Kindesmißbrauch in der Zeit von 2009 bis 2019 um 21% gestiegen. Viele „Querdenker“ mißbrauchen Kinder als Aushängeschild für ihre fragwürdigen Argumente (fühlt sich ein 11-jähriges Kind tatsächlich wie Anne Frank, weil sie ihren Geburtstag heimlich mit mehr Gästen gefeiert hat, als die Corona-Verordnung erlaubt? Oder wurde das von Erwachsenen nahegelegt?). Fridays for future wird belächelt.

Kinder sind aber unsere Zukunft – daran sollten wir immer denken. Besonders eindrücklich finde ich in diesem Zusammenhang die jährliche Prämierung von Dokumentarfotos durch UNICEF – sie zeigt uns in unserer behüteten Ecke der Welt, wie es Kindern in anderen Erdteilen ergeht. Zur Bebilderung habe ich trotz allen Elends ein positives Bild gewählt, das den 3. Platz erreichte – weil es mich an eine sehr schöne Begegnung erinnerte: In Costa Rica besuchten wir ein Dorfschule, wo Kinder für uns eine „Aufführung“ machten. Beeindruckend fand ich, daß in diesem Land stets dort, wo mindestens 3 Kinder im Schulalter wohnen, eine Schule gegründet wird. Der Lehrer kommt dann in das Dorf, damit Kinder keine weiten Wege auf sich nehmen müssen. Gelernt wird selbstverständlich mit Laptops, die jedem Kind zur Verfügung gestellt werden. Ich habe zwei meiner Fotos davon beigefügt …

Die Pressemeldung der UNICEF:

UNICEF-Foto des Jahres 2020: Tapfer trotz brennender Not
Köln/Berlin, den 22.12.2020 // Das UNICEF-Foto des Jahres 2020 zeigt den Exodus von Kindern aus dem brennenden Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Das Siegerbild des griechischen Fotografen Angelos Tzortzinis hält die Tapferkeit, Fassungslosigkeit und Hilfsbereitschaft von Kindern angesichts höchster Not in einer bewegenden Momentaufnahme fest.
Auch der zweite und der dritte Preis des internationalen Wettbewerbs von UNICEF Deutschland fangen Geschichten von Kindern ein, die bedrückenden und außergewöhnlichen Lebensumständen standhalten. Die Reportage des indischen Fotografen Supratim Bhattacharjee über arbeitende Kinder auf den größten Kohlefeldern Asiens erhält den zweiten Preis. Der deutsch-russische Fotograf Evgeny Makarov zeigt in seiner Reportage aus Brasilien eine Ballettschule als Antwort auf Gewalt und Drogen im Alltag von Kindern in den Favelas von Rio de Janeiro. Sie wird mit dem dritten Preis ausgezeichnet.
„Das UNICEF-Foto des Jahres 2020 ist eine eindringliche Mahnung. Es erzählt von einem Drama direkt vor unserer Haustür. Das Bild konfrontiert uns mit unserer Menschenpflicht: Wir in Europa müssen endlich eine Antwort finden – auch für die Kinder von Moria. Wir müssen gemeinsam mehr tun, um auch in ihr Leben Hoffnung zu bringen“, erklärt Elke Büdenbender, Schirmherrin von UNICEF Deutschland.
„Das Jahr 2020 hat für viele Mädchen und Jungen auf der Welt eine Eskalation an Katastrophen gebracht“, sagt Peter-Matthias Gaede, stellvertretender Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Aus einem Flüchtlingslager fliehen zu müssen, in ohnehin armseligen Lebensverhältnissen zusätzlich von der Corona-Pandemie bedroht zu werden, von Kinderarbeit nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zerstört zu werden: Bilder aus dem diesjährigen Wettbewerb zeigen, was das bedeutet. Ihre Botschaft: Helfen wir den Kindern!“
„Covid-19 hat das Arbeitsfeld der Fotoreporter enorm eingeschränkt. Reisen wurden fast unmöglich. Gleichwohl erreichten die Jury für das UNICEF-Foto des Jahres 2020 bemerkenswerte Bilder und Bild-Essays. Realisiert häufig von den einheimischen Fotografen der Brennpunkte der Welt“, sagt Prof. Klaus Honnef, Vorsitzender der Jury. „Zehn herausragende Bild-Geschichten von Kindern zeichnete die Jury aus, deren Lebenswelt die unterschiedlichsten Zwänge und Herausforderungen prägen.“
Das Siegerbild: Die brennende Not
Am 9. September 2020 zerstört im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ein Feuer die Unterkünfte von 13.000 Menschen, darunter 4.000 Kinder. Die Geflüchteten und migrierten Menschen kommen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Die Zustände im Lager sind seit Jahren unerträglich: Überfüllung, kaum sauberes Wasser, nicht genug Lebensmittel, kein Dach über dem Kopf, keine Schulen oder Spielmöglichkeiten. Der griechische Fotograf Angelos Tzortzinis hält einen Moment fest, in dem Tapferkeit, Fassungslosigkeit und Hilfsbereitschaft, angesichts höchster Not zusammentreffen. Nahezu jeder zweite Geflüchtete oder Vertriebene auf der Welt ist nach Schätzung von UNICEF ein Kind oder Jugendlicher.

Der zweite Preis: Der Fluch der Kohle
In Jharia im indischen Bundesstaat Jharkhand liegen die größten Kohlefelder Asiens.
Auf 280 Quadratkilometern wird hier Kohle im Tagebau gewonnen, oftmals von Kindern.
Der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee hat in den Gesichtern dieser Kinder ihr ganzes Elend eingefangen: Entsetzen, Erschöpfung, Zerstörung. Das gefährliche Umfeld der Kohlefelder ist geprägt von toxischen Gasen, verschmutzter Luft und verunreinigtem Trinkwasser. Der Tageslohn liegt umgerechnet bei ein bis zwei US-Dollar. Viele Mädchen und Jungen sind mangelernährt; tausende Kinder gehen nicht zur Schule.
Der dritte Preis: Das Favela-Ballett
Mitglieder einer der besten Tanz-Akademien Brasiliens haben beschlossen, für eine Alternative zu den oftmals aussichtslosen Lebensbedingungen in den Favelas von Rio de Janeiro zu sorgen. In der Favela Manguinhos eröffneten sie eine Ballettschule. 250 Mädchen erleben hier Freude und Spiel, können zur Schule gehen und Ausflüge in das Teatro Municipal machen. Der in Deutschland lebende russische Fotograf Evgeny Makarov hat die Ballettschülerinnen von Manguinhos auf ihren Wegen durch die Favela begleitet, beim Training in der
Schule und in einer Gemeinschaft, die sie glücklich macht.
Sieben weitere Reportagen hob die Jury mit ehrenvollen Erwähnungen hervor:
• Anas Alkharboutli, Syrien (dpa), Reportage: Sport statt Krieg, Spaß statt Angst (Syrien)
• Daniele Vita, Italien, Reportage: Die Ragazzi von Catania (Italien)
• Elena Chernyshova, Russland/Frankreich (Panos Pictures), Reportage: Von der Schule
des Lebens in die Schule des Staates (Russland)
• Erfan Kouchari, Iran (Tasnim News Agency), Reportage: Corona – und die kleine Freiheit
auf dem Dach (Iran)
• Hamed Malekpour, Iran, Reportage: Ein Herz, zwei Leben (Iran)
• Nicoló Filippo Rosso, Italien, Reportage: Auf der Flucht aus Venezuela (Kolumbien)
• Sumon Yusuf, Bangladesch, Reportage: Ihr Bett ist die Straße (Bangladesch)

UNICEF-Foto des Jahres
Zum 21. Mal zeichnet UNICEF Deutschland mit dem internationalen Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ Bilder und Reportagen professioneller Fotojournalisten aus, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Nominierung durch einen international renommierten Fotografie-Experten. Eine Übersicht aller ausgezeichneten Fotoreportagen finden Sie auf http://www.unicef.de/foto. Im Foyer des Hauses der Bundespressekonferenz in Berlin ist die Ausstellung der prämierten Arbeiten bis Ende Januar zu sehen.