Jetzt muss ich ungefähr 2 Jahre ausholen – damals hatte ich mir vorgenommen, endlich einmal dieses Röntgenfilm-Material, das wir alle von den OPG-Aufnahmen beim Zahnarzt kennen, für die Fotografie zu nutzen. Um das auffällige Format von ca 12x30cm belichten zu können, wollte ich mir eine passende Lochkamera bauen.

Wäre dieser Plan umgesetzt worden, hätte ich natürlich längst darüber geschrieben. Leider kam es weder vor 2 Jahren, noch vor 1 Jahr dazu, und selbst 2025/2026 hat sich meine Lochkamera noch nicht mehr als in ein paar Zeichnungen manifestiert. Immerhin habe ich jetzt angefangen, das Filmmaterial auszutesten. Röntgenfilm ist nicht im Drogeriemarkt verfügbar – da ich aber gute Connections zu einer Praxis habe, war es kein Problem, eine Packung „Kodak T-Mat G/RA 12,7 x 30,5cm“ zu bestellen. Je Blatt kostet dieses Material ca. 1,00 Euro – ein Schnäppchen gegenüber dem üblichen fotografischen Material. Ein Blatt Planfilm Kodak T-Max 100 in 4×5 Inch kostet üblicherweise 5 bis 6 Euro.
Was mir im voraus klar war: Dieser Röntgenfilm ist darauf konzipiert, mit sogenannten Verstärkerfolien belichtet zu werden. Diese Folien erzeugen Lumineszenz (Licht im sichtbaren Spektrum), wenn sie von Röntgenstrahlen getroffen werden. Die eigentliche Filmemulsion ist nur gering sensitiv für Röntgenstrahlen. Wird dieses Material ohne X-Rays und ohne Verstärkerfolie belichtet, verliert es natürlich an Empfindlichkeit. Zudem gibt der Hersteller an, dass die Emulsion orthochromatisch sensibilisiert sei, also rotunempfindlich ist. Das kennt man von manchen Schwarzweißfilmen und es hat den großen Vorteil, dass die Verarbeitung unter der üblichen Dunkelkammerbeleuchtung stattfinden kann.
Darüber hinaus fand ich folgende allgemeingültige Infos zu Röntgenfilmen: Sie sind üblicherweise beidseitig beschichtet – das führt zu eine Art Doppelbelichtung, weil das Licht die erste Emulsion trifft und dann durch das Trägermaterial hindurch auch die rückseitige Emulsion belichtet. Die Folge sollen leichte Unschärfen und „Halos“ – also schnell überstrahlte Spitzlichter sein. Außerdem arbeiten die Emulsionen sehr kontrastreich, sodaß ähnlich wie bei den hochauflösenden Dokumentenfilmen (z.B. Adox CMS 20) Fingerspitzengefühl beim Entwickeln gefordert ist, um brauchbare Tonwerte zu erzielen.
Die Infos zu diesem Röntgenfilm lieferten als Anhaltspunkt eine nutzbare Empfindlichkeit von ISO 50 bei einer Entwicklungszeit von 6 bis 8 Minuten in Rodinal 1+50. Warum dieser Entwickler? Zunächst habe ich ihn immer im Haus. Er ist billig, wird nicht schlecht, ist seit einem Jahrhundert bewährt und lässt sich gut verdünnen. Die erste Testreihe belichtete ich auf ISO 100, 50, 25, 12 und 6 und entwickelte 8 Minuten lang.




Anhand der Filmschnipsel war klar, dass der Film durchaus eine brauchbare Empfindlichkeit hat, die Lichter aber schnell zu dicht werden. Als „sweet Spot“ nahm ich an, dass ISO 64 funktionieren müsste. Eine weitere Testaufnahme in dem vollgerümpelten Keller zeigte mir aber, dass ich mich offenbar getäuscht hatte: Die Schatten haben noch zu wenig Zeichnung, während die Lichter schon ausfressen.
Jetzt tauchen wir in die unendlichen Tiefen des analogen Dunkelkammer-Wissens ein: Sollen die Negative mehr Zeichnung in den Schatten haben, müssen sie schlicht reichlicher belichtet werden. Wenn aber die Lichter bereits zu dicht werden, muss entweder die Entwicklungszeit verkürzt oder den Entwickler stärker verdünnt oder beides vorgenommen werden. Meine dritte Testreihe belichtete ich also auf ISO 50, 40 und 32 und entwickelte 6min in Rodinal 1+75. Da eine stärkere Verdünnung im Ausgleich eine längere Entwicklungsdauer erfordert hätte, habe ich hier also beide Faktoren berücksichtigt. Das dünnere Rodinal verbraucht sich in den stark belichteten Lichtern schnell und stoppt an dieser Stelle die weitere Entwicklung (bis zur folgenden Agitation), während der Entwickler in den Schatten ungehindert weiterarbeitet. Eine weitere Maßnahme wäre im übrigen, die Agitation zu verringern, also beispielsweise nur jede 2. Minute zu kippen/bewegen.
Ausgehend von meinen Testbelichtungen habe ich dann folgende Parameter für ein „echtes“ Foto verwendet: Belichtet auf ISO 40, entwickelt für 6:30 in Rodinal 1+75:

Das Negativ habe ich nach dem Scan lediglich invertiert und die Belichtung bzw Helligkeit etwas hochgezogen. Die Tonwerte finde ich ziemlich brauchbar, die Lichter überstrahlen nicht und in den Schatten ist ein bißchen Zeichnung vorhanden. Für mich wäre das jetzt eine anwendbare Kombination – die Ergebnisse aus einer Lochkamera werden sich ästhetisch natürlich nochmals unterscheiden und möglicherweise Anpassungen erfordern.
Fazit: Der Kodak Röntgenfilm T-Mat G/RA ist aufgrund seines geringen Preises interessant, auch für Fotografen, die regelmäßig Planfilm belichten. Er bringt allerdings ein paar Nachteile mit, wie die geringe Empfindlichkeit und die doppelseitige Beschichtung, die zudem im feuchten Zustand unfassbar weich und kratzempfindlich ist. Ich habe kein einziges Testbild dabei, dass keine massiven Kratzer enthält. Die Tonwerte sind in der ausgetesteten Kombination differenziert, Lichter und Schatten definiert. Die Emulsion besteht aus T-Kristallen wie bei den T-Max-Filmen und ist dementsprechend feinkörnig.
Film: Kodak T-Mat G/RA
Format: 12,7 x 30,5cm
Preis: ca. 1,00 € pro Blatt
ISO: 40
Entwickler: Rodinal
Verdünnung: 1+75
Entwicklungsdauer: 6:30 Minuten
Sollte jemand meiner Leser zu dieser Thematik weitere Erkenntnisse beitragen können, bitte gerne her damit! Auch beim Thema Lochkamera freue ich mich über sachdienliche Hinweise 😉 Das Filmformat ist definiert, anhand der Seite http://www.die-lochkamera.de habe ich berechnen können, dass bei ca 10-11cm Brennweite der Bildkreis groß genug ist, um keine wahnsinnige Vignette zu bekommen und dass die Blende ca 0,4 bis 0,5mm groß sein sollte. Ich bin gespannt …

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