Experiment: Farbfilm in Caffenol

Eine Canon New F1 mit dem FDn 1,4/50mm belichtete den Film

Diesen Test wollte ich schon seit langem machen – heute habe ich es endlich mal probiert: Einen Farbfilm in Schwarz-Weiß-Chemie zu entwickeln. Kurz gesagt ist ein Farbfilm nur deshalb lichtempfindlich, weil er Silbersalze enthält, genau wie jeder SW-Film. Im Standard-Prozeß C41 werden diese zunächst entwickelt, dann die Farbstoffe in den 3 Schichten aktiviert und schließlich das Silber ausgewaschen. In SW-Chemie fehlen die beiden späteren Schritte, das belichtete Silbersalz wird also zu Silber reduziert, danach passiert jedoch nichts mehr (außer dem Fixieren des Films). Ich hatte verschiedentlich darüber gelesen, dass das ganz gute oder ziemlich schlechte Negative erzeugt und wollte mir nun selbst ein Bild davon machen.

Der Superia wartet im Tank auf Kaffee

Da ich momentan am liebsten in Caffenol entwickle, habe ich für die Entwicklung also Kaffee angerührt. Der Film, ein Fuji Superia 400, ist seit fast 20 Jahren überlagert, ich habe ihn auf ISO 200 belichtet. Als Tipp für die Entwicklungszeit von Fuji Farbfilm in Caffenol hatte ich keine präzisen Angaben finden können, diese schwankten zwischen 9 min und 30 min. Aus dem Bauch heraus habe ich drauf getippt, dass die Caffenol-Standard-Zeit von 12 min etwas zu kurz sein könnte und deshalb 15 min bei üblicher Agitation entwickelt.

Nach der Entwicklung ist vor der Entwicklung

Die Negative sind – soweit die Maske diese Beurteilung zulässt – scheinbar ordentlich entwickelt. Hätte ich die Fotos stärker überbelichtet oder länger entwickelt, wären sie sehr wahrscheinlich zu dicht geworden. Bei den Scans fällt auf, dass die Negative recht grobkörnig sind und das Korn eine unruhige Struktur hat. Außerdem wirken die Aufnahmen nicht sehr scharf (die Negative wölben sich allerdings stark – ich kann nicht ausschließen, dass das einen Einfluss auf die Schärfe beim Scannen hat). Die Grauwerte finde ich anhand der Beispielfotos, auf denen ich u.a. auch eine Farbtafel fotografiert habe, sehr ordentlich. Die Lichter wirken schnell ausgebrannt und erzeugen einen leichten Halo-Effekt.

Mein Fazit: Experiment geglückt. Man kann Farbfilm in Schwarzweiß entwickeln. Nur sind die Ergebnisse in keiner Richtung einzigartig: Weder können sie im Bereich Feinkörnigkeit und Schärfe mit guten SW-Filmen mithalten, noch produzieren sie derart markant-schlechte Bilder, als dass man sie für künstlerische Zwecke verwenden könnte. Schade 😉

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