Als ich im Herbst auf der Suche nach einem niedrigempfindlichen Film für Studioaufnahmen war, besorgte ich aus Neugierde zusätzlich zwei besondere Filme: Den Rollei RPX 25, einen ausgesprochen niedrigempfindlichen Film, der besonders feinkörnige und hochauflösende Ergebnisse verspricht, sowie den Adox CMS 20 II – der den Rollei in beiden Disziplinen noch übertreffen soll. Nach allem, was ich darüber gelesen habe, löst der CMS 20 derartig fein auf, dass es angeblich kein Objektiv gibt, das dieses Potential voll ausschöpfen kann. Das Problem bei diesem Film: Er hat nur 12 ASA und soll in einem speziellen Entwickler gebadet werden, um bildhafte Ergebnisse zu liefern. Dieser Film arbeitet dermaßen hart, dass in üblichen Entwicklern keine Grauwerte entstehen. Und das wollte ich natürlich erstmal mit eigenen Augen sehen 😉
Da ich meine Schwarz-Weiß-Filme üblicherweise in Caffenol Delta entwickle, wollte ich natürlich probieren, ob ich damit auch den CMS 20 entwickeln kann. Meine bisherigen Erfahrungen mit Adox-Filmen in Caffenol waren eher miserabel: Das Korn sah bei CHS 100 und HR 50 jeweils grob und klumpig aus. Diese Filme profitieren eindeutig von anderen Entwicklern. Da ich für den einzelnen Film nicht extra Adotech-Entwickler besorgen wollte, liess ich für diesen Test Caffenol gegen die beiden anderen Entwicklern, die ich vorrätig habe, antreten: Das seit 30 Jahren abgelaufene Ilford Perceptol, das ich im vergangenen Sommer angemischt hatte, und den bewährten und unverderblichen Adonal/Rodinal. Da ich mir von der Caffenol-Entwicklung aufgrund vorgenannter Erfahrungen wenig versprach und zudem befürchtete, dass das Perceptol seit dem Sommer unbrauchbar geworden sein könnte, hatte ich Rodinal als vielversprechendsten Entwickler eingeplant. Ich fand Entwicklungsangaben für diese Kombination bei Massive Dev Chart: Rodinal 1+100 für 18:00 Minuten. Die starke Verdünnung sollte für eine ausgleichende Entwicklung sorgen. Das größte Stück des Film entwickelte ich also in Rodinal. Da ich die letzten rund 15 Aufnahmen für diesen Zweck eingeplant und dasselbe Motiv wiederholt fotografiert hatte, konnte ich jeweils einen Schnipsel dieser Aufnahmen in den beiden anderen Entwicklern baden. Diese Aufnahmen entstanden gestern bei bedecktem Himmel und wenig Licht. Da die Verpackung des Adox CMS 20 II angibt, den Film bei Sonne wie 12 ASA, bei bedecktem Himmel jedoch wie 20 ASA zu belichten, probierte ich beide Werte aus. Leider verpeilte ich die Einstellung und habe nur auf den beiden Caffenol- und Perceptol-Streifen beide Belichtungen. Auf dem in Rodinal entwickelten Filmstück gibt es lediglich Belichtungen auf 20 ASA.

Der Film erreichte nur in Caffenol Delta eine zufriedenstellende Schattenzeichnung. Ob mein Perceptol schwächelt, weiß ich nicht – das Ergebnis ist jedoch am wenigsten zufriedenstellend. Die Negative sehen extrem hart aus, auch wenn die Gesamtschwärzung geringer ist als bei Caffenol. In Rodinal 1+100 ist die Belichtung auf 20 ASA ebenfalls zu knapp ausgefallen, der Entwickler holt in dieser Verdünnung aber doch noch anständige Mittentöne heraus. Die anderen Aufnahmen, belichtet auf ISO 12, sehen in der Rodinal-Entwicklung hart, aber brauchbar aus.
Meine Befürchtung hinsichtlich unschöner Kornbildung in Caffenol hat sich übrigens nicht bestätigt: Der CMS 20 II ist vollkommen kornlos! Da kann also nichts klumpig aussehen. Erst bei 400% Vergrößerung sehe ich ein bißchen Korn – und bin längst nicht sicher, dass das tatsächlich Filmkorn ist. Es kann genauso gut die Grenzen meines Scanners zeigen.

Was habe ich aus diesem Versuch gelernt: Ich mag den Film nicht besonders. Er sieht unglaublich clean aus – was der Ästhetik eines analogen Films widerspricht. Vor 30 Jahren wäre dieser Film ein Renner gewesen, weil wir noch nicht den Vergleich zu gigapixel-starken Digitalaufnahmen kannten. Heute wirkt er gradezu digital. Außerdem löst der CMS 20 so fein auf, dass ich den Eindruck habe, meine Fotos seien nicht scharf. Vielleicht täuscht dieser Eindruck – die niedrige Empfindlichkeit verlangt Verschlusszeiten von 1/8sec und länger, wohlgemerkt bei strahlendem Sonnenschein. Jedenfalls, wenn man auf f8 abblenden möchte. Alle Aufnahmen sind also vom Stativ aus fotografiert. Ich nutzte allerdings ein leichtes Reisestativ und löste die Kamera per Hand aus. Leichte Verwicklungen oder unpräzises Fokussieren kann also seinen Teil dazu beitragen. Der Film entlarvt gnadenlos jeden Fehler, sowohl des Fotografen, als auch des Equipments. Allerdings ist auch bekannt, daß akzentuiertes Filmkorn die Schärfewirkung unterstützt – wenn das Korn fehlt, bleibt demnach auch weniger Schärfe.
Was ebenfalls festzuhalten ist: Auch wenn ich keinen Vergleich zum dedizierten Entwickler (Adotech) habe, sind die Ergebnisse in Rodinal, Caffenol und Perceptol deutlich unterschiedlich. Und Caffenol schlägt sich dabei richtig gut! Mich überzeugt dieser Entwickler immer wieder. Sollte ich jemals Bedarf haben, mit einer Kleinbildkamera kornfreie Fotos machen zu müssen, weiß ich, dass ich den CMS 20 II, belichtet auf ISO 12, in Caffenol Delta entwickeln kann. Ich würde allerdings vermutlich eher zu meiner Hasselblad und einem feinkörnigen Rollfilm wie dem Pan F Plus greifen, falls riesige Vergrößerungen geplant sind.
Die abschließende Galerie zeigt ein paar Ergebnisse von dem Filmstück, das in Rodinal entwickelt wurde. Die Fotos entstanden am Evangelischen Krankenhaus in Bergisch Gladbach und am Vinzenz-Palotti-Krankenhaus in Bensberg.








Antwort auf „Low Fidelity”.
[…] Filme drehte, bereits einige Erfahrungen mit solchen Verhältnissen gemacht, später sogar den super-feinkörnigen und extrem niedrig-empfindlichen Adox CMS II ausprobiert. Diesen Film hatte ich in 3 verschiedenen Entwicklern zubereitet und festgestellt, dass […]