Als ich die Überschrift dieses Beitrags auf Petapixel las, habe ich sofort zugestimmt. Warum sollte man digitale Fotos aussehen lassen, als seien sie auf analogem Film entstanden?
Der Gedanke ist nicht ganz abwegig, wenn man mal nüchtern darüber nachdenkt: Dem Charme des Analogen erliegen auch jene Menschen, die sich mit der dazu gehörenden Technik nicht auskennen und rein digital fotografieren. Ich finde, diese Erkenntnis spricht schon stark für die von mir so geliebte Analogfotografie. Ich verstehe, warum man den vermeintlichen Look gerne einfach und mühelos nachmachen möchte. Zusätzlich kennen wir alle die Tendenz, solche Fotos, die irgendwie nicht so ganz toll geworden sind oder komische Farben haben, mit Filtern zu verschlimmbessern oder in schwarzweiß umzusetzen, um ihnen eine „künstlerische“ Anmutung zu verleihen. Das geht allerdings meistens in die Hose.
Der Beitrag von Bimal Nepal auf Petapixel argumentiert klar gegen den Trend, digitale Fotos künstlich wie Film aussehen zu lassen und plädiert dafür, stattdessen die Stärken und die Präzision der digitalen Fotografie voll zu nutzen.
- Digitale Fotografie bietet Klarheit, Kontrolle und Konsistenz, wie sie mit Film kaum möglich sind.
- Dennoch wenden viele Fotografen und Social-Media-User bewusst Effekte wie Korn, weiche Töne oder Verfremdungen an, um digitales Material nostalgisch wirken zu lassen.
- Der Autor sieht diese Trends skeptisch: Für journalistische oder kommerzielle Fotografie zählen Präzision und Ehrlichkeit – künstliche Verfremdungen schwächen die Aussagekraft und das Vertrauen.
- Film-Simulationen, Software-Presets und Instagram-Trends richten sich oft eher nach Mode als nach echter Bildaussage und lassen Klarheit und Details unter Nostalgieeffekten leiden.
- In der Kunst oder für persönliche Projekte kann ein stilisierter Look stimmungsvoll und bereichernd sein.
- Bei professionellen oder dokumentarischen Fotos rät Nepal aber davon ab, authentische Momente und Details zugunsten von „Retro“-Effekten zu opfern.
- Der Autor fordert Fotograf*innen dazu auf, bewusste Entscheidungen zu treffen: Digitale Fotografie sollte für das genutzt werden, was sie auszeichnet – Klarheit, Präzision, Ehrlichkeit – und nicht primär dafür, eine vergangene Ästhetik künstlich nachzuahmen.



Ich finde, der Artikel bringt es gut auf den Punkt: Man sollte digitale und analoge Fotografie als zwei verschiedene Medien betrachten. Dies habe ich selbst bereits vielfach so postuliert. Jede Art der Fotografie bringt eigene Vor- und Nachteile mit sich – ich möchte sie nicht nochmals alle aufführen, Sie können auf diesem Blog viele Beiträge dazu lesen. Aber genauso wie Fliesen in Holzoptik oder Beyond Meat wirken digitale Fotos mit digital erzeugten Analogeffekten nicht authentisch.
In einem Aspekt muss ich Herrn Nepal allerdings deutlich widersprechen: Er stellt die Analogfotografie mehrfach als minderwertig dar – das stimmt definitiv nicht! Wer die Technik beherrscht, seine Fotos richtig zu belichten, manuell scharfzustellen und Filme zu entwickeln, erzielt in gleichem Maße detaillierte, klare Fotos voll lebendiger Farben. Die „unvorhersehbaren Ergebnisse“, von denen er spricht, beziehen sich höchstens auf solche Analog-Fotografen, die mit dieser Art der Fotografie noch wenig Erfahrung haben oder bewußt experimentieren.


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