Till Erdmenger – Businessfotos | Blog

Wann Sie Kaliumbromid in den Kaffee schütten sollten

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Vorab: Dies ist kein Food-Blog und dementsprechend hat KBr selbstverständlich nichts in dem Kaffee zu suchen, den Sie morgens trinken möchten. Wer aber meinen Blog kennt, weiß auch, daß ich seit vielen Jahren Caffenol zum Entwickeln von Schwarzweißfilmen nutze. Dieser Entwickler wird jeweils frisch aus Instantkaffee, Vitamin C und Waschsoda zusammengerührt und hat einen vergleichsweise harmlosen ökologischen Fußabdruck.

Caffenol ist mir aber auch deshalb sympathisch, weil ich damit hervorragende Ergebnisse erziele. Es ist bei weitem keine Spielerei, auch wenn man damit sehr viel experimentieren kann. So habe ich neben den klassischen Rezepten für Caffenol CM und CH auch Varianten für eine Standentwicklung oder Dokumentenfilm ausprobiert, eine eigene Rezeptur für die einfache Push-1-Entwicklung erfunden – und inzwischen wegen der kürzeren Entwicklungszeit CM und CH für die Entwicklung bei Nennempfindlichkeit nutzbar gemacht.

Diese Varianten sind für mittel- und hochempfindlich Filme gedacht und unterscheiden sich lediglich durch die Ergänzung von Kaliumbromid für die hochempfindlichen Filme. Wofür wird diese Substanz aber überhaupt genutzt? Die KI fasst die Informationen so zusammen:

Kaliumbromid wirkt in der Caffenol-Rezeptur als Verschleierungsschutz oder Schleierverhinderungsmittel – das wäre die treffendste deutsche Übersetzung für „Restrainer“. Es unterdrückt die spontane, unerwünschte Reduktion von Silberhalogenidkristallen, die nicht belichtet wurden. Ohne diesen Zusatz würde der Entwickler auch in den unexponierten Bildbereichen Silber reduzieren, was zu einem gleichmäßigen Grauschleier (Grundschleier) über das gesamte Negativ führt. Kaliumbromid liefert dabei Bromidionen (Br⁻), die sich an die Kristalloberflächen der Emulsion anlagern und die Entwicklungsaktivität hemmen, indem sie das elektrochemische Gleichgewicht zugunsten der Hemmung verschieben.

In den bekannten Rezepten für Caffenol wird immer erwähnt, dass man KBr durch die zehnfache Menge Jodsalz ersetzen könne. Das habe ich probiert, schließlich ist Jodsalz ebenso einfach im Supermarkt zu bekommen wie die anderen Zutaten dieses Entwicklers – und das ist ja das charmante daran. Allerdings hatte ich kein Glück mit dem Jodsalz. Eine entwicklungshemmende Wirkung habe ich zwar feststellen können und mußte die Entwicklungszeiten geringfügig verlängern – eine Verbesserung des Grundschleiers oder des färbenden Einflusses vom Kaffee konnte ich nicht erkennen.

Schließlich habe ich nun Kaliumbromid besorgt. Man kann es bequem im Internet bestellen, 500g kosten etwa 20,- Euro. Da es laut Rezept sehr sparsam dosiert wird, kommt man mit dieser Menge schon ziemlich weit 😉 Meine jüngste Runde von einem Dutzend Schwarzweißfilmen aus dem Urlaub habe ich also mit KBr-haltigem Caffenol entwickelt. Die Eckdaten:

  • Ilford FP4 Plus (120), belichtet auf ISO 200
  • Caffenol CH Rezept mit 1 Gramm KBr auf 1 Liter Entwickler
  • Entwicklungszeit 11 Minuten (Push 1)

Ich kann es nur jedesmal bei solchen Beiträgen wiederholen: Ich bin Fotograf, kein Laborant. Ich besitze kein Densitometer und kann keine exakten Dichtemessungen vornehmen. Aber ich kann mit bloßem Auge erkennten, dass KBr wirkt und meine Filme einen niedrigeren Grundschleier und auch eine weniger starke Färbung aufweisen. Und darüber bin ich ziemlich froh, denn es macht Spaß, die regelmäßigen Arbeitsschritte und Prozesse im Laufe der Zeit immer weiter zu verfeinern und zu optimieren.

Beide Filme (jeweils Ilford FP4) sind auf ISO 200 belichtet und in Caffenol CM/CH für 11 Minuten entwickelt worden. Bei der Entwicklung des rechten Films habe ich 1g KBr/Liter ergänzt. Der Grundschleier ist sichtbar geringer.

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