Am 9. November 2025 schrieb ich auf diesem Blog: „Keine Sorge – ich werde meinen Blog nicht zur Review-Plattform umgestalten. Auch demnächst werde ich hier hauptsächlich interessante Informationen für meine Kunden veröffentlichen, wertvolle Tipps für zukünftige Kunden aus den Bereichen der kleinen Unternehmen und Arztpraxen weitergeben und viel über den unverwechselbaren Charme von Analogfotografie schreiben.
Wie zuletzt in Bezug auf analoges Filmmaterial gilt aber auch für Kameras und Objektive: Ich fasse meinen Beruf nicht als lästige Zeitverschwendung auf, sondern brenne dafür. Es macht mir einfach unglaublich viel Spaß zu fotografieren und mich mit der Fotografie zu befassen. Also investiere ich sehr viel Zeit in dieses Thema, spiele herum, schreibe, filme, entwickle und probiere aus. Ich möchte mein Werkzeug blind bedienen können und in- und auswendig kennen.“
Daran hat sich nichts geändert – es gab aber einen Anlass, mich nochmals mit einem kleinen Objektiv-Vergleich zu beschäftigen: Meine Tochter meinte zu ein paar Portraits, die ich von ihr fotografiert hatte, die Bilder seien brutal. „OMG, Deine Kamera ist so scharf, da sieht man ja jede Pore!“ Und ich muß zugeben, seitdem ich mit der Lumix S5 II und dem Sigma Art 2,8/105mm Makro fotografiere, habe ich meine Portraits nicht mehr nachgeschärft. Es interessierte mich deshalb, wie „brutal“ das Objektiv im Vergleich zu meinen anderen Portraitlinsen wirklich ist. Seit vielen Jahren liebe ich mein Canon EF 2,8/70-200 IS USM L und nutze es ausgesprochen gerne für Portraits. Es fehlte mir nie an Schärfe, die Farben fand ich stets passend und es bietet einen guten Brennweitenbereich, um mehr oder weniger Kompression in den Fotos zu erzeugen.
Weil ich an die Lumix aber auch manuelle Objektive von Canon und Leica adaptieren kann, habe ich zunächst einen „lebensechten“ Test durchgeführt und meine Tochter mit allen diesen Objektiven fotografiert. Daraus nehme ich zwei Konsequenzen mit: Es ist zeitaufwändiger und unzuverlässiger, manuell zu fokussieren (obwohl ich damit sehr viele Jahre Erfahrung habe). Und die Farbcharakteristik ist deutlich zu unterscheiden. Die Unterschiede in der Schärfeleistung sind hingegen gering, alle Objektive können überzeugen.
Ich wollte sicher gehen, ob das Sigma auch zukünftig meine Wahl für Portraits bleibt oder ob eines der anderen Objektive so viel mehr Schmelz und Charakter hat, dass es für schmeichelnde Portraits vielleicht besser geeignet ist. Deshalb gab es nun noch einen Versuchsaufbau mit dem Bücherregal, das ich bereits mit verschiedenen 50mm-Optiken getestet hatte.





In der wichtigen Bildmitte muß ich bis 200% vergrößern, um Unterschiede erkennen zu können: Das Sigma bildet tatsächlich am schärfsten und detailreichsten ab. Es zeigt auch den höchsten Lokalkontrast oder Mikrokontrast. Sowohl in der Bildmitte, als auch in den Ecken belegt für mich das Leitz Elmar-C 4/90mm den 2. Platz. Ich finde fantastisch, wie Leitz es mit diesem winzigen Objektiv, das vor über 50 Jahren mit der analogen Leica CL herauskam, geschafft hat, eine derartig gute Schärfe und Auflösung zu erzielen! Das Elmar zeichnet ein wahrnehmbar wärmeres Bild als alle anderen Objektive. Ob das Teil des berühmten „Leica Glow“ ist, kann ich nicht einschätzen, es schadet jedenfalls nicht bei Hauttönen. Der Kontrast ist bei diesem Objektiv im Vergleich am geringsten.
Mein langjähriger Liebling, das EF 70-200 steht diesen Leistungen nur wenig nach. Es wirkt etwas weniger scharf als das Sigma Art und das macht die resultierenden Fotos vielleicht in den Augen einer jungen Frau angenehmer – ich werde es sicherlich bedenken, wenn ich das nächste mal ein Portraitshooting habe 😉 Ein bißchen Schmelz verspricht auch das Leitz durch seinen geringen Kontrast. Ich glaube fast, die „Brutalität“ des Sigmas rührt von dem hohen Mikrokontrast her.
Ergänzend: Ich habe auch ein Canon FD 2,8/100mm und ein Canon FD 4/100mm Makro (dies nur mit dem Bücherregal) getestet. Die beiden reihen sich hinter den anderen Objektiven in die Bestenliste ein – denn sie sind beide wirklich sehr gute Objektive! Das alte Makro ist in der Bildmitte ein bißchen schärfer, am Bildrand verliert es deutlich. Das alte 2,8/100mm kann hingegen in den Bildecken locker mit dem moderneren EF 70-200 mithalten.




Für die „echten“ Portraits fand ich: Alle Canon-Objektive zeigen sichtbar kühlere Farben (vor allem im Schattenbereich), die gut nuanciert sind. Daran bin ich seit langen Jahren gewöhnt. Das Sigma ist in den Schatten neutraler, vermischt nach meinem Empfinden aber die Rot- Orange- und Gelbtöne zu sehr. Dadurch sehe ich eine weniger klare Farbtrennung von Haut und Haaren. Dies ist beim warm abbildenden Leitz Elmar fairerweise nicht anders zu beurteilen.
Die „kontrollierten“ Testaufnahmen vor dem Bücherregal gehen in eine ähnliche Richtung: Das Sigma zeigt die intensivsten Farben – hier finde ich allerdings keine Vermischung der warmen Farben vor. Die drei Canon-Objektive zeichnen alle in beeindruckend ähnlicher Weise kühlere und etwas weniger kräftige Farben. Das Leitz Elmar-C wirk am wärmsten und am kontrastärmsten. Um diese Unterschiede überhaupt sehen zu können, habe ich alle Dateien auf dieselbe Farbtemperatur gebracht. Die automatische Farbbalance der Kamera hatte die Aufnahmen zuvor mit einer leichten Anpassung von Blau-Gelb und Grün-Magenta bereits komplett neutralisiert – da war kein Unterschied zu erkennen.
Was können wir mitnehmen von diesem ausufernden Beitrag: Ich muß mich demnächst wieder kürzer fassen. Und die Unterschiede, über die ich hier spreche, sind so gering, daß die meisten Kunden sie nicht erkennen werden. Exakt dasselbe schrieb ich bereits bei meinem Test der 50mm-Gläser 😉


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