Ich stöbere manchmal einfach in den Beiträgen auf meinem Blog – derzeit sind es genau 1.111 Beiträge, geschrieben in den vergangenen 18 Jahren. Vorhin guckte ich mal nach, was ich vor einem Jahrzehnt so verfasst habe und stieß dabei auf den Beitrag „Quicklebendig: Die Fotografie wird 175 Jahre alt …“ Es lag im Bereich meiner mathematischen Fähigkeiten zu erkennen, das wir dieses Jahr also von 185 Jahren Fotografie sprechen können. Erstaunlicherweise konnte ich im Internet noch keine Artikel zu diesem Jubiläum finden – dann mache ich also den Anfang.
Einen sachlichen Überblick über die Geschichte der Fotografie findet man natürlich bei Wikipedia. Darin lesen wir nicht nur von der Camera Obscura, die bereits vor Jahrtausenden bekannt war, sondern auch von der ältesten erhaltenen Fotografie aus dem Jahr 1826. Wieso spreche ich dann von 185 Jahren? Weil Daguerre als Kompagnon und Nachfolger von Niepce das fotografische Verfahren weiterentwickelte und 1839 der Pariser Akademie der Wissenschaft vorstellte. Diese Veröffentlichung gilt als Geburtsstunde der Fotografie.
In meinem Artikel von 2014 bin ich vor allem auf meine persönliche Geschichte der Fotografie eingegangen. Von meiner ersten Kleinbildkamera über die Autofokuskamera bis zur digitalen Vollformatkamera. Von Urlaubsfotos über meine Ausbildung bis zur Businessfotografie. Interessanterweise strebt diese Entwicklung seitdem wieder zu seinen Ursprüngen zurück. Ich fotografiere wieder bevorzugt mit analogem Filmmaterial und habe mich fotografisch verstärkt mit persönlichen Projekten beschäftigt. Diese beiden Punkte koordiniere ich unternehmerisch und künstlerisch nun mit meinem Beruf als Unternehmensfotograf. Zur Zeit suche ich Fotos aus einem Projekt heraus, die demnächst als Wandschmuck im Wartezimmer einer Arzt-Praxis gezeigt werden.
Seit einiger Zeit biete ich meinen Kunden auch an, ihre Businessfotos für einen besonderen Look auf analogem Material zu fotografieren. Nach meinem Empfinden passen analoge Techniken hervorragend zu meinem Ideal eines „authentischen“ Fotos. Bei digitalen Bildern, die mithilfe von Apps den Look eines analogen (Schwarzweiß-)Fotos nachäffen, fällt mir das jedenfalls schwerer. Die organische Ästhetik des Filmkorns gefällt mir besser als kantige Pixel. Schwarzweißfilm mag ich lieber als quitschbunte Bildchen, die wie ein Boulevard-Blättchen um Aufmerksamkeit heischen. Die Entstehung eines Analogfotos fühlt sich intensiver an, weil man viel mehr in diesen Prozeß eingebunden ist. Es gibt ein riesiges Potential für kreative Experimente.
Darüber hinaus gibt es aber noch mehr Argumente, die für die Analogfotografie sprechen: Es entschleunige, heißt es oft. Und das tut es. Belichtung messen, Entfernung einstellen, Blende und Verschlusszeit kombinieren. Dann passen nur 36 Bilder auf den Film. Entwickeln, vergrößern oder scannen – diese Kleinigkeiten summieren sich zu einem nicht unerheblichen Aufwand, den sich iPhone-Knipser gerne sparen. Das ist an sich völlig verständlich, führt aber dazu, dass der Prozeß des Fotografierens unbewußter und zufälliger abläuft. Welche Filmempfindlichkeit, Blende oder Verschlusszeit für das gewünschte Bildergebnis wichtig ist, fällt bei der automatisierten Serienknipserei unter den Tisch.
Ein handelsübliches Negativ kann problemlos 150 Jahre oder länger gelagert werden – bei minimalem Aufwand. Ob sich die JPGs und RAWs aus heutigen Kameras in 150 Jahren noch auslesen lassen, ist unbekannt. Während ein Negativ ein bißchen Platz im Schuhkarton einnimmt, muß ein Digitalfoto dagegen dauerhaft mit Strom versorgt werden, um erhalten zu bleiben (nicht auf der SD-Karte, aber auf dem heimischen Rechner, in der Cloud und bei Instagram).
Die Welt der Fotografie hat sich seit 185 Jahren stetig weiterentwickelt – und sie ist noch immer sehr lebendig. Sowohl in technischer Hinsicht, als auch in kultureller. Im allgemeinen genauso wie im persönlichen Rahmen. Wie die Fotografie mit der nun hereinbrechenden Flut künstlich erzeugter Bilder umgeht, welche Wechselwirkungen da in den kommenden Jahren entstehen – das müssen wir abwarten. Wir sprechen uns bei einem der nächsten Jubiläen wieder.




