Till Erdmenger – Businessfotos | Blog

Interessante Details zur interessantesten Nebensache der Welt

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Seit März 2025 ist die analoge Fotografie in Deutschland als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die Aufnahme bestätigt und würdigt damit die jahrhundertealten fotografischen Verfahren, bei denen mit lichtempfindlichen Materialien wie Film oder Fotopapier gearbeitet wird.

Die Initiative zur Anerkennung ging vom Deutschen Fotorat, der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und weiteren Akteuren aus. Die analoge Fotografie wird als lebendige Kulturtechnik betrachtet, die Wissen, Handwerk und kreative Freiheit vereint und Generationen geprägt hat. Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bedeutet nicht nur eine Würdigung, sondern auch einen verstärkten Schutz und eine größere Sichtbarkeit für die analoge Fotografie. Ziel ist es, das Wissen und die handwerklichen Fähigkeiten rund um die analoge Fotografie zu bewahren und an künftige Generationen weiterzugeben. Gerade die komplexen chemischen und technischen Prozesse werden heute nur noch von wenigen Spezialistinnen und Spezialisten beherrscht.

Trotz der Dominanz der Digitalfotografie erlebt die analoge Technik derzeit eine Renaissance, insbesondere bei jungen Menschen und in der künstlerischen Fotografie. Die haptischen und entschleunigten Aspekte des analogen Prozesses werden als Gegenbewegung zur digitalen Bilderflut geschätzt.

Wohl auch wegen der in den letzen Jahren wieder stärkeren Nachfrage nach Filmmaterial hat der etablierte Hersteller Harman Technology, Produzent der schwarzweißen Ilford-Klassiker, kürzlich eine Umfrage unter Analogfotografen gestartet.

Die 14.000 Teilnehmer aus 110 verschiedenen Ländern waren eigenen Angaben zufolge überwiegend zwischen 18 und 64 Jahre alt. Die meisten davon gaben an, schon immer analog fotografiert zu haben oder durch Familienmitglieder an die Analogfotografie herangeführt worden zu sein. Nur etwa 5% erklärten, durch verschiedene Influenzer auf YouTube beeinflusst worden zu sein.

90% der Befragten fotografierten mit Schwarzweiß-Filmen, 77% benutzen Farbfilme und jeder Vierte nahm Diafilm. Fast alle, die an der Umfrage teilnahmen (95%), fotografierten mit einer Kleinbildkamera, stolze 68% nutzten eine Mittelformatkamera, ein Viertel verwendete Sofortbildfilme.

Für mehr als die Hälfte war die ausgezeichnete Haltbarkeit von Filmmaterial ein wichtiges Argument, analog zu fotografieren. Noch mehr der Befragten begeisterten sich wegen der Möglichkeit, Filme selbst zu entwickeln, der Vorfreude auf die Fotos (bevor der Film entwickelt ist) und der kreativen Kontrolle für Analogfotografie. Am wichtigsten waren den Teilnehmern die Unterschiede analoger Fotografie zur digitalen Welt und der „Film-Look“.

Fast alle Befragten (95%) haben 2 oder mehr Kameras und 77% entwickeln ihre Filme selbst. Interessanterweise gaben 4% an, ihre Negative nicht aufzubewahren … ein Frevel!!

Analogfotografie ist seit etwa 10 Jahren wieder in Mode – daran ändern auch die teilweise extrem hohen Preise und die manchmal schlechte Verfügbarkeit von Filmen nichts. Nachdem die Verkaufszahlen in Deutschland zwischen 2000 und 2011 von 190 Millionen auf 14 Millionen gefallen waren, steigt die Stückzahl der verkauften Filme in den letzten Jahren wieder deutlich an (laut einem großen Händler lagen die Zahlen 2023 um 6000% über jenen des Jahres 2017). Zahlreiche Hersteller bauen ihre Produktionskapazitäten aus, es gibt immer mal wieder neue Filme am Markt und inzwischen ein breites Angebot von Laboren, die das Entwickeln und Scannen übernehmen.

Diese Details machen Mut und erzählen eine kleine Erfolgsgeschichte eines Jahrhunderte alten Mediums. Ich freue mich sehr darüber und hoffe, noch lange Zeit mit meinen analogen Kameras auf Filmmaterial fotografieren zu können.

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